KLARA setzt nach Abstechern ins Showbusiness und Performance-Theater wieder auf eine Geschichte, eine strenge Chronologie und auf Figuren: Der Roman «La Bohème – Szenen aus dem Pariser Künstlerleben» von Henri Murger aus dem Jahre 1851 dient als Ausgangspunkt für «Die sorglose Heiterkeit der Unternehmerherzen». KLARA gibt aber nicht einfach dessen Handlung wieder, sondern baut eine eigene Geschichte darauf auf. Die Motive bleiben über die Zeit hinweg die gleichen, nur stellen sich aus heutiger Sicht andere Fragen: Wer sind die Bohèmiens von heute? Möglicherweise eher die Gewinner der New Economy als hehre Künstler? Stellen Kulturschaffende eine Art neue Unterschicht? «Die sorglose Heiterkeit der Unterneh-merherzen» bedient sich der Höhen- und Tiefflüge grossangelegter Unternehmungen und überträgt sie in den Mikrokosmos einer Männerfreundschaft: Da wird chronisch gebrainstormt wie in der Expo.02, der Niedergang schön geredet wie in der Swissair, intrigiert wie bei Kuoni.

Der Musiker Jochen, der Architekt Gerhard und der Installationskünstler Rob Roy stecken in der finanziellen Misere. Zwar geben sie immer noch lebemännisch und risikofreudig – innerlich jedoch sind die Mittvierziger zunehmend von Existenzängsten gepeinigt. Angetrieben von den Verheissungen der New Economy lassen sich die drei dazu hinreissen, ein waghalsiges Unternehmen zu gründen: von einer Webpage sollen sich potentielle Kunden versteckte Botschaften auf ihren Computer herunterladen können, die in regelmässigen Abständen für Bruchteile von Sekunden über den Bildschirm flimmern. Obwohl unsichtbar, sollen diese «Subliminals» den Käufer von Lastern, Phobien und mangelndem Selbstvertrauen befreien. Doch die Bemühungen des Trios um eine bürgerliche Existenz sind viel zu verzweifelt, um erfolgreich zu sein. Ihre verschämte Einsicht in den Kapitalismus bedeutet nicht, dass sie sich in ihm behaupten können. Das von Jochens Mutter geliehene Geld ist bald aufgebraucht; schlaflose Nächte, Hautkrankheiten und zwischenmenschliche Reizerschei-nungen gelten anfänglich als adelnder Beweis der Entschlossenheit. Doch der unabwendbare ökonomische Kollaps ist nur das Vorspiel zum totalen moralischen Zerfall.

 

2002. Eine Produktion von KLARA Theaterproduktionen in Koproduktion mit MIGROS Kulturprozent und dem Theaterhaus Gessnerallee. Ein Stück von Christoph Frick, Suzanne Zahnd und Ensemble.

Mit: Jo Dunkel, Philippe Nauer, Dominique Rust

Regie: Christoph Frick

Co-Autorin / Dramaturgie: Suzanne Zahnd

Raum / Kostüme / Grafik: Clarissa Herbst

Musik: Martin Fischer

Licht: Michel Jann

Ton: Andreas Döbeli

Maske: Carin Kälin

Regieassistenz: Natalija Pocuca

Ausstattungsassistenz: Michelle Brun

Produktionsleitung: Ursula Freiburghaus

Fotos: Claude Giger, Sabine Rufener

Uraufführung: 30. 1. 2002, Theaterhaus Gessnerallee Zürich

Weitere Vorstellungen: Schauspielhaus Hamburg / Neues Cinema; auawirleben Bern; Kaserne Basel