Die Theatergruppe KLARA wurde 1991 vom Regieduo Christoph Frick und Jordy Haderek in Basel gegründet. KLARA gehört zu den renommiertesten Formationen der freien Szene in der Schweiz. Der künstlerische Leiter ist Christoph Frick.
Zum mehr oder weniger festen Kreis von MitarbeiterInnen gehören derzeit neben Christoph Frick die Schauspieler Philippe Nauer, Dominique Rust und Michael Wolf; die Ausstatterin und Grafikerin Clarissa Herbst; der Dramaturg Patrick Wymann; die Produktionsleiterin Ursula Freiburghaus und der Beleuchter und Techniker Michel Jann.
KLARA entwickelt konsequent eigene Stücke, ohne sich auf einen existierenden Dramentext zu stützen. Inspiriert von bildender Kunst und Musik erprobt KLARA die Möglichkeiten des Mediums Theater von dessen Rändern her – in den ersten Produktionen noch in Form von einfachen Geschichten, welche auf ihre Wirkungsweisen und Glaubwürdigkeiten überprüft werden.
Die Produktion «Krönung» (1996) leitet eine Reihe von montageartig gebauten Abenden ein, die als zentrales Thema immer wieder die Ökonomie der Aufmerksamkeit, Phänomene des Marktes und die gesellschaftliche Entsolidarisierung haben. KLARA begibt sich auf die Suche nach zeitgenössischen, urbanen Erzählweisen. Statt linearer Handlungsabläufe und durchgängiger Figuren treten multiple Plots, Simultaneität, die Auflösung von Figuren und die Verschachtelung von mehreren erzählerischen Ebenen in den Vordergrund.
KLARA reflektiert sich dabei selber als Theater – und denkt dessen Möglichkeiten permanent mit. Die Stücke wurzeln nicht im klassischen Theaterkonflikt, sondern in den Grundlagen des Spiels: gemeinsam ist allen Abenden eine choreographierte Körperlichkeit, eine Komik der ‹virtuosen Unvirtuositäten› und die Erarbeitung der Stücke mittels improvisativen Prozessen. KLARA betreibt Spielforschung, lässt Erzählung(en) auf Abstraktion prallen und umgekehrt.
Um sich selbst in Frage zu stellen, leistet sich KLARA immer wieder das Risiko, radikale Richtungswechsel einzuschlagen. Nach der Dekonstruktion des Mediums Theater und linearer Geschichten entstanden zum Beispiel in den Jahren 2002 und 2005 zusammen mit der Autorin Suzanne Zahnd wieder zwei geschlossene Erzählungen («Die sorglose Heiterkeit der Unternehmerherzen» und die ein Jahrhundert umspannende Wissenschafts- und Familiengeschichte «DNA»). Grundsätzlich gilt es, den Rahmen der erzählerischen Möglichkeiten möglichst weit offenzuhalten: im Spannungsfeld von ‹task performance› wie der losen Performancereihe «Dr. Bison» und ausladender Familiensaga wie «DNA».
Neben Vorstellungen an Gastspielhäusern und Festivals in der Schweiz spielte KLARA international unter anderem am impulse Festival, an der Bonner Biennale, am Time Festival in Gent, am Freiburger Theaterfestival, dem First International Drama Festival in Lahore (Pakistan) und koproduzierte mit dem luzernertheater, dem Theaterspektakel Zürich, dem Steirischen Herbst in Graz und Victoria (heute campo) in Gent und dem Theater Freiburg und pvc tanz.
«Oft gelingen den Spielforschern um den Regisseur Christoph Frick in ihren streng choreografierten Puzzles einzelne Szenen, in denen sich das ganze Stück zu bündeln scheint. Da werden komplexeste Bezüge mit leichter Hand auf den Punkt gebracht und bleiben doch irritierend mehrschichtig, da öffnen sich hinter der Banalität menschliche Abgründe, es ist gleichzeitig zum Schreien komisch und gnadenlos traurig und wird so hinreißend gut gespielt, dass man das nie mehr vergisst.» (Alfred Schlienger, «Theater der Zeit» Mai 2000)
«Szene um Szene entwickelt das Theater Klara seine Doppelhelix […]. Ohne Umstände werden Szenerien flüchtig hinskizziert oder auch nur hinparliert […]. Auf den Brettern geht es rund: Die Erzählstränge fassen sich zart an den Händen, die Figuren drehen sich federleicht in die Geschicht(en) hinein und hinaus, und die […] Schauspieler tanzen locker von Rolle zu Rolle, von Partner zu Partner und von Setting zu Setting. Ein rundum charmantes Stammbaumringelreihen!» (Alexandra Kedveš, «Neue Zürcher Zeitung», 15. März 2005)
