

Hochstapler und Falschspieler
Eine Produktion von KLARA und Theater Freiburg/pvc Tanz Freiburg Heidelberg in Koproduktion mit Theaterspektakel Zürich, AUAWIRLEBEN Bern und Kaserne Basel
Unterstützt durch: Fachausschuss Theater und Tanz BS/BL; Pro Helvetia; GGG Gesellschaft für das Gute und Gemeinnützige Basel; Migros-Kulturprozent; Stanley Thomas Johnson Stiftung; Ernst Göhner Stiftung; Jubiläumsstiftung der Basellandschaftlichen Kantonalbank
Vorstellungen AUAWIRLEBEN Bern: 21. und 22. Mai 2010
Mit: Nicola Fritzen, Kate Harman, Uta Krause, Philippe Nauer, Dominique Rust, Tobias Schramm, Martin Schütz, Angelika Thiele, Michael Wolf
Regie: Christoph Frick
Dramaturgie: Inga Schonlau, Patrick Wymann
Bühne und Kostüme: Clarissa Herbst
Musik: Martin Schütz
Licht: Mark Howett
Ton: Andreas Döbeli
Video: Angelo Sansone
Regieassistenz: Pia Donkel
Bühnenbild-/Kostümassistenz: Johannes Storch
Dramaturgieassistenz: Tobias Ergenzinger
Bühnentechnik: Michel Jann, Moritz Jüdes
Produktionsleitung: Ursula Freiburghaus, Johannes Kasperczyk
Es wimmelt nur so von Hochstaplern, Falschspielern, Spekulanten, Trickbetrügern: die deutsch-schweizerische Koproduktion befasst sich mit der Artistik der Hochstapelei und des Falschspielertums – sie handelt von Fremdtäuschung und Selbstbetrug; von falschen Biographien und der Piraterie der Gefühle. Wenn Werte nicht mehr mit dem Zwang zur Selbstdarstellung und zum Streben nach Anerkennung schritthalten können, wird Hochstapelei zum erfolgversprechenden Verhaltensmuster. Der Einzelne wird getrieben vom Bedürfnis, Bedeutung zu haben, welche das Ich übersteigt. Dazu wählt er die magische Abkürzung: «Hochstapler erfinden kriminelle Varianten zu dem, was offiziell Karriere heißt» (Peter Sloterdijk, Kritik der zynischen Vernunft). Abkürzungen, welche freilich direkt in Hochrisikobereiche mit Absturzgefahr führen.
Zusammen mit dem Theater Freiburg/pvc Tanz Freiburg Heidelberg begibt sich KLARA auf die Suche nach den Mechanismen und Regel(losigkeite)n der Hochstapelei und des Falschspielens. Welche Not und welche Scham steckt hinter dem Drang zur Hochstapelei? Ist Falsch-spielertum moralisch verwerflicher als Hochstapelei? Ist Hochstapelei überhaupt verwerflich? Haben wir es verdient, betrogen zu werden? Woher kommt die Bewunderung, welche Hochstaplern immer wieder zufliegt?
In «Hochstapler und Falschspieler» befinden sich neun beinahe identische Hochstaplerwesen auf einer Berg- und Talfahrt zwischen Hochgefühl und Depression. Gefangen in ihren selbstgebastelten Scheinwelten versuchen sie, die wiederkehrenden Momente des Zusammenbruchs und der Einsamkeit zu kitten, die Kurve doch noch einmal zu erwischen – obwohl (oder gerade weil) sie sich ihrer eigentlichen Nichtigkeit sehr wohl bewusst sind. Sie spiegeln die Ursachen und Symptome der Hochstapelei in einem theatralen, tänzerischen und musikalischen Balanceakt – oder: als Börse der falschen Versprechungen und des Misslingens.
Die freie Gruppe KLARA aus Basel entwickelt seit 1991 konsequent eigene Stücke, ohne sich auf einen existierenden Dramentext zu stützen. Inspiriert von bildender Kunst und Musik erprobt KLARA die Möglichkeiten des Mediums Theater von dessen Rändern her – zu Beginn noch in Form von einfachen Geschichten, welche auf ihre Wirkungsweisen und Glaubwürdigkeiten überprüft werden. Die Produktion «Krönung» (1996) leitet eine Reihe von montageartig gebauten Abenden ein, die als zentrales Thema immer wieder die Ökonomie der Aufmerksamkeit, Phänomene des Marktes und die gesellschaftliche Entsolidarisierung haben. KLARA begibt sich auf die Suche nach zeitgenössischen, urbanen Erzählweisen. Statt linearer Handlungsabläufe und durchgängiger Figuren treten multiple Plots, Simultaneität, die Auflösung von Figuren und die Verschachtelung von mehreren erzählerischen Ebenen in den Vordergrund. Die Stücke wurzeln nicht im klassischen Theaterkonflikt, sondern in den Grundlagen des Spiels: gemeinsam ist allen Abenden eine choreographierte Körperlichkeit, eine Komik der ‹virtuosen Unvirtuositäten› und die Erarbeitung der Stücke mittels improvisativen Prozessen. KLARA betreibt Spielforschung, lässt Erzählung(en) auf Abstraktion prallen und umgekehrt.
pvc – das physical virus collectiv – ist die gemeinsame Tanzsparte des Freiburger und Heidelberger Theaters und wurde zu Beginn der Freiburger Intendanz von Barbara Mundel von dem ehemaligen Basler Tanzspartenleiter Joachim Schloemer gegründet und kuratiert. pvc versteht sich als internationales Netzwerk von Künstlern, deren künstlerische Herkunft weit über den klassischen Tanzkontext hinausreicht. Gemeinsame spartenübergreifende Arbeiten und Koproduktionen entstanden u.a. mit Künstlern wie Sebastian Nübling, der australischen Splintergroup, Eun-Me Ahn, Jens Kilian, Thomas Jeker, Amjad Khan, Sandra Hüller, Martin Nachbar und Kooperationspartnern wie Sasha Waltz & Guests, Lucerne Festival, der Opera de la Monnaie (Brüssel), dem Theaterhaus Gessnerallee und dem HAU Berlin. pvc steht für Sparten- und Stadtraum-übergreifende Tanzkonzepte und versucht, die Grenzen des Stadttheaters ästhetisch und strukturell auszudehnen.






