KLARA seziert in ihrer neunten Arbeit die Unterwerfungsmechanismen, mit denen sich Präsi-denten, Vorgesetzte, Vereinsvorstände und andere Autoritätspersonen in Szene setzen – und dabei abstürzen: Mit welchen Mitteln verschleiern sie ihren Anspruch auf Macht? Wie missbrauchen sie das in sie gesetzte Vertrauen?

Alphatierchen unter sich: Sieben Wichtigmenschen beim Balanceakt, der entsteht, wenn sich Macht und Autorität nur noch um den Preis von Lächerlichkeit und Grau-samkeit erkaufen lassen. Ein Seiltanz, angesiedelt irgendwo zwischen Bürowelt, politischem Parkett und Medienzirkus, ohne Netz und doppelten Boden: Die Autoritätskrise lauert überall.

Auf der Bühne wir gemobbt, geellbögelt, sich gegenseitig (und sich selber) auf die Schulter geklopft, und beim Buhlen um die Aufmerksamkeit des Publikums beständig um die zu wenigen Mikrofone gekämpft – und alles wird in Konkurrenz synchronübersetzt. Denn: Konflikte sind immer gern gesehen, solange sie nur gut ausgeleuchtet öffentlichkeitswirksam aufbereitet werden. Wahrgenom-men wird, wer am lautesten ist. Und deshalb dürfen auch private Krisen ganz vorne an der Rampe ungeniert entäussert werden.

Thematisiert wird aber immer auch das Theater an sich: Es gibt keine durchgehenden Figuren auf der Bühne, sondern die Akteure reden sich mit ihren realen (Schauspieler-)Namen an: Schauspieler spielen Schau-spieler, die spielen und sich an ihrem Material, also dem Thema und ihrer Bühnensituation, abarbeiten. Daraus entsteht eine Spielweise, die ihren Subtext in einen postdramatischen, nicht-mimetischen Simultanabend packt: Das Streben nach Aufmerksamkeit wird dann ganz konkret zur frontalen Adressierung des Publikums oder zum Kampf um die Mikrofone an der Rampe – Schauspieler gegen Schauspieler. Und alles immer auch in Konkurrenz zur (gleichberechtigten) Ton- und Video-spur. Bis zum grossen Knall.

 

2001. Eine KLARA Produktion in Koproduktion mit der Kaserne Basel, dem belgischen Time Festival Gent, dem Theaterhaus Gessnerallee Zürich und dem Freiburger Theaterfestival.

Mit: Vanessa Brandestini, Silvia Buonvicini, Jo Dunkel, Anna Geering, Philippe Nauer, Blerim Qeriqi, Dominique Rust, Michael Wolf & Gäste

Regie: Christoph Frick

Musik: Knut Jensen

Raum / Kostüme: Clarissa Herbst

Dramaturgie: Gabriele Otto

Licht: Urs Reusser

Video: Beat Brogle

Regieassistenz: Sabine Rufener

Lichttechnik: Michel Jann

Training: Wolfgang Graf

Grafik: Clarissa Herbst

Fotos: Claude Giger & Gäste

Uraufführung: 21. 3. 2000, Kaserne Basel

Weitere Vorstellungen: Time Festival Gent; 22. Internationales Freiburger Theaterfestival; Theaterhaus Gessnerallee Zürich