Ausgehend von Risiko- und Instabilitätstheorien, welche ihren Ursprung in der Thermodynamik haben, stellt KLARA in «1000 Chancen» die Frage nach Bedingungen für Veränderungen im gesellschaftlichen Kontext. Der Proberaum wird zum Experimentierlabor – und zur Bühne: gespielt wird bei KLARA auf der Probebühne.

Umständlich wird ein Tischtennistisch aufgebaut. Doch das Spiel kommt nicht in Gange, denn es gibt zuwenig Schläger – und niemand will der oder diejenige sein, welche den anderen den Schlager wegnimmt. Und eine hat permanent das Gefühl, falsch zu stehen. Fehler werden immer zuerst bei sich selber gesucht, die allgegenwärtige Höflichkeit führt zu lähmendem Stillstand.

KLARA widmet sich in «1000 Chancen» (helvetischen) Gruppendynamikprozessen, welche durch Mangel an Risikobereitschaft eben nicht zu dynamischen Entwicklungen führen, sondern zu nichts. Wenn vor lauter Verständnis für alle anderen gar nichts mehr geht, wird erst mal in engen Schlafkojen abgewartet. Alles Flehen nach Veränderung fruchtet nicht, nicht einmal ein Erdbeben gibt es, kein Schneefall, keine Explosionen, nichts. Zur Not erzählt man sich Geschichten von früher. Doch wenn man 35 Jahre alt ist, dann muss etwas passieren. «Jetzt geht’s los!» Aber da stellt sich sofort wieder das Problem, wer beginnt …

«1000 Chancen» zeigt die Mutlosigkeit und die individuellen Glücksbestrebungen einer Generation irgendwo zwischen den 68ern und der Generation X und bewegt sich dabei auf dem schmalen Grat zwischen Geschichten und Nicht-Geschichte. KLARA reflektiert dabei immer auch die eigene Arbeit und deren Veränderungspotential – und lotet gleichzeitig aus, wieviel Repetition, Leere – und eben Nichts – Theater erträgt.

 

1998. Eine KLARA Produktion in Koproduktion mit der Kulturwerkstatt Kaserne Basel

Mit: Vanessa Brandestini, Silvia Buonvicini, Jo Dunkel, Philippe Nauer, Dominique Rust, Kaspar Weiss, Michael Wolf, Specials: Daniel Reichmuth

Regie: Christoph Frick & Jordy Haderek

Musik: Knut Jensen

Raum / Kostüme / Grafik: Clarissa Herbst

Dramaturgie: Gabriele Otto

Licht: Urs Reusser

Video: Philippe Schmid

Regieassistenz: Christine Zufferey

Training: Wolfgang Graf

Lichttechnik: Michel Jann

Tontechnik: Andreas Döbeli

Fotos: Claude Giger

Uraufführung: 17. 3. 1998, KLARA Probenraum, Güterstr. 121, Basel