Ein Clown reisst sich ein Bein aus, um lustig zu sein, auch wenn er traurig ist. Normalerweise. Doch ein Clown in «A Poet who Is also an Orangutan» nimmt dies wörtlich und versucht tatsächlich, sich sein eigenes reales Bein auszureissen. Zunächst ist dies eine Erkundung des eigenen Clownkörpers, des eigenen Clownseins. Wer bin ich, wenn ich Clown bin? Kann ich als Clown auch privat sein? Und was ist Komik?

Als Versuchsanordnung dreht der Abend ins Groteske: Fünf beinahe identische Clowns, dumme Auguste, welche nur durch ihre Körpergrösse und kleine Kleidungsdetails unterscheidbar sind, rasen von Nummer zu Nummer, getrieben von der Musik-Tonspur und ihrem Bewegungs- und Spieltrieb. Dabei offenbaren sich die Abgründe des scheinbar harmlosen, biederen und kindlichen Wesens. Es wird sich gegenseitig gequält, geprügelt, es werden Gliedmassen abgetrennt und manchmal auch gekuschelt. Das Monströse schlummert knapp unter der Clownoberfläche, und hier bricht es aus heiterem Himmel hervor. Alles, was ein Clown einem anderen (oder seinem Klon) antut, tut er sich auch selber an, legt dabei die dunklen Obsessionen seines vielleicht doch sehr menschlichen Kerns bloss. Dabei werden auch die Seh-gewohnheiten und Erwartungshaltungen des Zuschauers arg strapaziert bzw. hinterfragt. Sehgewohnheiten eines Publikums, welchem das Wesen des Clowns nur allzu vertraut ist – oder zu sein scheint: Der Clown als bekannteste und (im Theaterkontext) vielleicht verpönteste Figur zugleich. Erwartungen werden also permanent gebrochen, der Rhythmus extrem gedehnt oder abrupt gestaucht, Pointen werden dekonstruiert. Gespielt wird, wie man einen Clown spielt. Ein Clown ist ein Clown ist ein Clown – oder vielleicht eben gerade doch nicht. Und dann lacht er sich tot.

 

1997. Eine KLARA Produktion.

Mit: Silvia Buonvicini, Jo Dunkel, Michèle Fuchs, Lukas Müller, Dominique Rust

Regie: Christoph Frick & Jordy Haderek

Musik: Knut Jensen

Raum / Kostüme: Monika Vogt

Licht: Urs Reusser

Regieassistenz: Christine Zufferey

Training: Wolfgang Graf, Petra Radulescu

Technik: Michel Jann

Bühnenbau: René Brodmann

Grafik: Clarissa Herbst

Fotos: Claude Giger

Uraufführung: 26. 2. 1997, Kulturwerkstatt Kaserne Basel

Weitere Vorstellungen: Theaterhaus Gessnerallee Zürich; Boa Luzern